Unsere Namen - Aus alten Schriften

Bewertung:  / 0
SchwachSuper 

Eine erste Verwertung der Kirchenbücher unserer Heimatgemeinde lässt uns heute schon einige Schlussfolgerungen zum Umgang mit Benennungen und Namen ziehen. Aus anderen Chroniken haben wir bereits 1321von „Gerlach von Pulcromonte/Sconberg“ gehört, dem ein Teil der Mühle am Harbach zufällt. Es ist die erste Urkunde in dem unser Ort genannt wird.

Das Original derselben ist nicht erhalten geblieben, aber als Petrus von Schönberg, der zweite namentlich erwähnte Schönberger, sie sich Anfang des 14 Jahrhunderts in der königlichen Kanzlei in Weißenburg kopieren ließ, existierte sie noch. Der Schreiber der Kopie soll damals die (römischen) Ziffern der Jahreszahl verdreht haben und aus 1320 wurde 1280. Petrus studiert an der Wiener Universität Theologie, kehrt in seine Heimatgemeinde zurück, die er seelsorgerisch betreut und ist gleichzeitig Titularbischof in Sora / Mittelitalien. Am 24. April 1428 verleiht Erzbischof Georg von Gran diesem Pfarrer Petrus von Schönberg und Titularbischof von Sora das Recht, im Hermannstädter und Burzenländer Kapitel die Pontifikalen zu tragen und das Pontifikalamt zu zelebrieren, d.h., die für einen Bischof vorbehaltene Amtsverrichtungen in Mitten der Sachsen zu versehen.

1488 hören wir von dem gebürtigen Repser, dem Pleban Mathäus, der wohl mit Zustimmung der Gemeinde nach Wien an die Universität geht. Wieder zurück bereitet er Jünglinge für die geistliche Laufbahn vor. Die Zahl der Studenten steigt und 1502, bei seinem Tod, hinterlässt der über die Landesgrenzen hinaus bekannte Gelehrte eine große Bibliothek der Schönberger Kirche und den Dominikanern in Hermannstadt, als Dank für die Aufbewahrung einer mit 24 Gulden gefüllten Truhe. In seiner Zeit haben die Großen Umbauarbeiten an der Kirchenburg angefangen.
Michael und Georg von Schönberg waren die ersten Theologiestudenten im Krakau, wohin die Türkengefahr die Wege der einheimischen Studenten nun leitete. Auch der Reformator Siebenbürgens Johannes Honterus weilte zu der Zeit in Krakau.

1607 als die Straßen etwas sicherer werden, ist Wolfgang Duhenius in Leipzig Student der Theologie. Die nächste Nachricht ist heute noch als Inschrift der Großen Glocke zu lesen, die gegossen wurde als Michael Schmid Aufseher war zu Lebzeiten des Hendel. 1628 als sie wegen eines Sprunges umgegossen wird, ist Vernerus Antonius geb. in Reichesdorf vormaliger Prediger von Schönberg hier nun Ortspfarrer und Georg Hendel Aufseher. Es ist auch die Zeit der wiedererstarkten Gemeinde, die von Jakobsdorf den bis dahin verpfändeten Boden „auf der Maar“ zurückverlangt. Die Jakobsdorfer aber denken nicht daran, als ihr Hann Petrus Orend im Vonn erschlagen aufgefunden wird, sollen es die Pferdehirten aus Schönberg Zacharias Seimen, Martinum, Retter, Andream Gräff gewesen sein. Andere verdächtigen Thomas Müller aus Schönberg. Eine Jakobsdorfer Magd in Diensten bei dem Hann von Schönberg will in der Nacht gelauscht haben, wie diese die Erledigung des Auftrages bestätigten.

Inzwischen sind wir in die Zeit gekommen, wo es notwendig wurde, sich einen zweiten Namen zuzulegen. Dieser wurde von der ganzen Sippe oder Familie übernommen und ergab so den Familiennamen. Oft waren es Berufsbezeichnungen (Schuster, Schneider, Maurer usw.), Ortsbezeichnungen (Tekeser, Braller, Henndorfer, Teutschländer) oder sich auf Ausmaße beziehende Namen (Klein, Groß). Aber auch das erwies sich als nicht genügend. Bei den vielen Bewohnern gleichen Familiennamens war es schon bald notwendig, noch eine zusätzliche Benennung vorzunehmen. Und dann kam es zu solchen Abnormitäten, wo der „Schneider“ zum „Schuster“ wird - wohl weil dies sein ausgeübter Beruf war. Noch Generationen später führen die Nachkommen denselben „Spitznamen“ oder „Rufnamen“.

Die Matrikel nennt uns anno 1677 den Honnes Schuster alias Lucas. Über die Verdeutschung des Evangelistennamens kommen wir schnell über „Lukas“ zum sächsischen „Leukes“. Viele Leser werden nun die Verbindung zu den ehemaligen Bewohnern des Hauses Nr. 3 machen (in der Obergasse) die beide Namen tragen. Dazu muss erwähnt werden, dass dies über den Namen Schuster fortgeführt wurde und nicht über Philp. Vielleicht hat sich ihr Vorfahre besondere Verdienste auf religiösem Gebiet  erworben, wie auch der alte „Danimisch“, den man auch „Luther“ rief. Bei Simon Graeff alias Vagner anno 1680 könnte der ja diesen Beruf ausgeübt haben. Aber 7 Jahre darauf wird der Martini Zammer noch Volff genannt, um dann umgekehrt Johannes Volff vulgo / in der Sprache des einfachen Mannes, Czemer zu heißen. Aus Schneider wird Zammer und ein andermal Göbbel. Später in ungarischer Zeit treffen wir Martin Schneider oder „Pal“. Binder heißt noch Schnabel, Franck wiederum Schneider, Georgy Saur vulgo Breisch, Georgy Zammer vulgo Franck. Hier kann man sicher gehen, daß diese Zweitnamen durch Heirat übernommen wurden.

Und nun kommen wir unserer Zeit näher. Einigen sicherlich noch Georg Franck vulgo Vitsch geläufig. Mitte des vorigen Jahrhunderts lebte noch die „old Vitschan“. Johann Frank vulgo Braller lernen wir 1782 kennen. Es gibt sie bis zur Auswanderung der 90er Jahre.

Aber der „Pitz“, den wir mit Familiennamen „Stürner“ verbinden, ist 1843 noch Johannes Klein zugesprochen. Sicherlich ist es so, dass er durch Eheschließung auf letztere überging. Oder den „Lurz“ (kommt von „links“), den wir Salmen Nr. 33 zuordnen, finden wir bei einer geborenen Dengel, die einen Salmen heiratet. Der Name vererbt sich auf dem gleichen Hof, unabhängig davon wie der neue Besitzer heißt.

Als Beispiel nehmen wir Hof 103, wo „Salmen“s von 103 am Ecke „Braisch“ gerufen werden. Nun kann man sehen, dass es vor den 2 Generationen, als „Salmen“s Hausväter waren, noch 3 Generationen mit Namen „Braisch“ gab. Der später als „Millenbraisch“ bekannt gewordene Michael Braisch und seine Schwester Maria erblicken hier das Licht der Welt. Deren Vater und Großvater sind schon als Hausväter (d.h. Hausvorstände) eingetragen. Die Schwester des alten „Millenbraisch“ hatte einen Daniel Salmen von Nr. 33 geheiratet und wohnten auf dem Hof Nr. 31. Wie es aussieht hatte der Millenbraisch diesen Hof mit der Mühle gekauft. Der letzte Müller Michael Schuster aus Arbegen ging nach Amerika und seine „Lebensgefährtin“ Agnetha verwitwete Michael Ungar zieht auf die Flachsau Nr. 65. Anfang des vorigen Jahrhunderts wurde der Hof Nr. 31 von Michael Salmen, dem Neffen der Bewohner gekauft und Maria Salmen geb. Braisch kam mit ihrem Ehemann Daniel Salmen auf ihren Elternhof Nr. 103 am Eck, wo auch schon ihr Großvater 1809 geboren wurde. So erklärt es sich, dass die Salmens auch Braisch gerufen werden.

Vor Jahren suchten wir in dieser „Breischverwandschaft“ nach weiteren Vorfahren. Aus den zwischenkriegszeitigen Unterlagen, aus Ahnenpässen und anderen Papieren waren wir weit in die Vergangenheit gedrungen, als sich plötzlich eine Sackgasse auftat. An einem Punkt ging es nicht mehr weiter mit „Breisch“, sondern mit den Vorgänger, die Hochmeister hießen. In der Annahme, dass vielleicht eine Adoption vorliege, blieb die Sache auf sich beruhen. Bei der Bearbeitung der Matrikel aber, die mit den ersten Aufzeichnungen begann, weit und breit kein „Breisch“. Unter anderen ausgestorbenen Namen aber auch Hochmeister. Dann sogar Georgy Hochmeister alias Breisch. Und nachher nur noch Breisch.

Als in den sechziger Jahren unser Meschener Landsmann Heinrich Mantsch für den rumänischen Rundfunk Sprachaufzeichnungen machte, befragte er auch Landeskirchenkurator der Evangelische Kirche Hochmeister in Hermannstadt. Da es hier nur um die Mundartaufzeichnung ging, konnte man was immer erzählen. Kinder erzählten Märchen, Männer und Frauen von alten Bräuchen und Sitten. Nicht so dieser gebildete Mann. Er ging bis ins 17. Jahrhundert zurück, als ein Urahne von ihm aus Schönberg nach Hermannstadt gekommen sei. Der Schmiedegeselle Hochmeister wurde Zunftmeister in der Stadt. 2 Generationen später kaufte der Enkel Martin Hochmeister, der laut K.P. Awender, um 1664 in Schönberg geboren ist, den „Dicken Turm“ um darin das erste „Theater“ in Siebenbürgen zu gründen. Der Name ist auch als Buchdrucker Hermannstadts bekannt, auch durch den eingeheirateten Krafft. Sie geben auch die erste Ausgabe der „Siebenbürgische Zeitung“ heraus. Er starb nach 1699 in Hermannstadt. Der „alias“ Braisch (später Breisch) ist vermutlich eine Umwandlung des Begriffs: Preiß- von der Preuße, was vermuten lässt dass die Vorfahren der Hochmeister aus Preußen zugezogen sind.

Barth von Nr. 101 kommt aus Seligstadt, Herberth stammt auf den ersten Blick aus Hundertbücheln, wo man sie „Hentz“ rief. Das führte zur Übernahme des Rufnamens. Wobei noch erwähnenswert wäre, dass es noch einen anderen Zweig von Herberth gibt, diese Hüll oder später Hill genannt wurden. Schinker, wie die Salmens Nr. 81 noch gerufen werden, hat wohl in ferner Zeit mit dem Ortsnamen Schenk zu tun. Aber auch zu Assoziationen scheint es gekommen zu sein. Da gab es einen Michael der nach Kanada ging, und schon hat die Sippe der Philp Nr. 17 ihren Zusatznamen „Kanamik“ weg.

Auch die Namen sind zu finden, welche nur kurz auftauchen und dann wieder von der Oberfläche verschwinden, was bedingt ist durch die Abwanderung der betreffenden Familien oder aber durch das Aussterben im Mannesstamm. Mit anderen Worten, es sind Familien, die nur weibliche Nachkommen hatten, wenn überhaupt, durch Heirat und Übernahme des Familiennamens des Gatten und Übertragung auch auf die Kinder, ging der Name der Mutter unter. Fernengel, Binder, Theil, Klein usw. nur um ein paar zu nennen. Doch manche gingen nicht ins Vergessen, ohne eine Nachricht oder ein „Denkmal“ zu hinterlassen. Die wunderschöne Kanzel wurde zum Tode von Johann Theil 1855 gestiftet und schon 130 Jahre früher das Epitaph des Hermannstädter Künstlers Hans Hermann an der Chorwand, das an den Pfarrer Michael Klein aus Schönberg erinnert.
Unter den untergegangenen Namen sind auch 2 von „Transmigranten“ d.h. zwangsweise ausgesiedelten evangelischen Christen aus Oberösterreich Meierhuber und Mayerhoffer, sowie einige aus Württemberg von Pfarrer Stephan Ludwig Roth um 1845 angeworbenen Familien. Erstere im Zuge der Gegenreformation von Karl VI. und später von seiner Tochter Maria Theresia aus den vormals bis zu 75% evangelischen habsburgischen Erblanden nun nicht mehr ins Ausland, sondern in das ferne Siebenbürgen zwangsumgesiedelte „Landler“; die „Schwaben“ als Vorzeigebauern gedacht, um die rückständige Landwirtschaft zu reformieren.

Interessant zu erwähnen wäre noch der Name Buchholzer. Wir wissen, dass es bis Mitte des 16. Jahrhunderts sächsische Ortschaften bei Kleinschenk, wie Kaltwasser oder Buchholz gab. Durch die Einfälle von feindlichen Eindringlingen flüchteten die Bewohner, die sich noch in Sicherheit bringen konnten. Somit ließen sich diese in anderen Ortschaften nieder. Nach Schönberg kamen auch neue Siedler mit Namen Buchholzer. Ob diese unmittelbar aus Buchholz, oder erst später aus anderen Ortschaften kamen, konnten wir noch nicht ermitteln.

Fest steht, dass der erste Buchholzer in Schönberg um 1653 (als Vater der Catharina, geb. am 25.06.1677) in unseren Matrikeln erscheint. Die letztgeborene aus diesem Zweig, Maria Buchholzer, wurde 23.07.1722 in der Taufmatrikel erfasst. Danach verschwindet der Name Buchholzer in Schönberg. Die Fam. Buchholzer, die uns bekannt ist, wurde erst viel später von den Buchholzer aus Roseln wieder in Schönberg heimisch.

Es sind noch viele andere Namen die erwähnenswert wären, wie Adleff, die auch zu den alten Schönbergern zählen, oder Boltz (Böltz), Connert, Czink (Zink), Dengel, Hann, die allesamt in Schönberg, aus Mangel an männlichem Nachwuchs, später ausgestorben sind. Die meisten der neuen, hinzugekommenen Namen verdanken wir Zugezogenen. Das sind in erster Reihe die Pfarrer, vielleicht auch weil es ihre Pflicht war, die Matrikeln zu führen und damit viel von ihnen bekannt wird. Aber auch ganz unterschiedliche Handwerker, z.B. ein Töpfer aus Fogarasch, ein Fassbinder, mehrere Schmiede, Tischler, Wagner usw. Viele bleiben unter unseren Vorfahren und gehen in die Gemeinschaft ein. Etwas anders verhält sich die Sache mit der „Intelligenz“ wie Rektoren, Notären, Organisten, Kantoren und nicht zuletzt Schankwirten, denen wir aber, wie auch den Pfarrern einen anderen Artikel widmen werden.

Michael Schneider und Günter Orendi

 

<!-- /* Style Definitions */ p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal {mso-style-parent:""; margin:0cm; margin-bottom:.0001pt; mso-pagination:widow-orphan; font-size:12.0pt; font-family:"Times New Roman"; mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 {size:612.0pt 792.0pt; margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; mso-header-margin:36.0pt; mso-footer-margin:36.0pt; mso-paper-source:0;} div.Section1 {page:Section1;} -->