Der Begriff „Heimat“ zwischen Romantik, Volkstümelei und politischer Ideologie
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- Veröffentlicht am Sonntag, 20. November 2011 08:57
Das „Schönberger Echo“ ist eine Publikation für die Landsleute aus dem siebenbürgischen Dorf Schönberg bestimmt, also für Menschen erstellt, die eine gemeinsame Herkunft und Heimat haben. Doch was ist mit dem Wort „Heimat“ eigentlich gemeint?
Im Jahre 2004 suchte der deutsche Sprachrat „das schönste Wort“. Auf Platz eins der Umfrage landete der Begriff „Habseligkeiten“. Unter den Vorschlägen kam das Wort „Heimat“ auf den vierten Platz. Im Laufe der Jahrhunderte hat das Wort „Heimat“ unterschiedliche Deutungen erfahren. Der Begriff taucht erstmals im 16. Jahrhundert zusammen mit dem „Heimatrecht“ auf. Dieses Recht hatte man von Geburt an oder man erwarb es durch Heirat oder Erbe. Es garantierte Aufenthaltsrecht und ging mit Versorgungsansprüchen im Alter einher. Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts stellte der Arzt Johannes Hofer als erster die Diagnose „Heimweh“. Damit beschrieb er eine Melancholie ausgelöst durch die Sehnsucht nach Heimat, nach Althervertrautem und tiefsinniger Geborgenheit. Diese „mysteriöse Krankheit“ ging seiner Feststellung nach einher mit Abzehrung, Fieber, Erkältung und in manchen Fällen endete sie mit dem Tod des Betroffenen. Im 19. Jahrhundert wagten es die Brüder Grimm 1877 den Begriff „Heimat“ im Deutschen Wörterbuch zu erklären. Heimat ist demnach „das land oder auch nur der landstrich, in dem man geboren ist oder bleibenden aufenthalt hat“. Um die Wende zum 20. Jahrhundert bekam der Begriff „Heimat“ eine emotionale Bedeutung. Heimat bietet Schutz in einer Zeit, in der Gewohntes durcheinander gerät. In dieser Zeit entstand die „Heimatschutzbewegung“ und erste Heimatmuseen wurden errichtet. Im „Dritten Reich“ gab die Blut- und Bodenideologie dem Begriff „Heimat“ einen bitteren Beigeschmack. Die Nationalsozialisten rechtfertigten Enteignungen und Vertreibungen mit der Idee, das Blut binde die Bauern unzertrennlich an ihren Boden. Nach dem zweiten Weltkrieg nahmen sich die Volkskunde und die Sozialpsychologie des Begriffes „Heimat“ an. Sie verstehen „Heimat“ als identitätsstiftend. Somit stimmt die Erkenntnis des Kirchenhistorikers Adolf von Harnack (1851-1939) „was wir sind und haben - im höheren Sinn - haben wir aus der Geschichte, freilich nur aus dem, was eine Folge in ihr gehabt hat und bis heute nachwirkt“.
Somit sehe ich die Existenz unserer HOG und auch die anderen Formen gegenwärtig noch gelebter Gemeinschaften ehemaliger Schönberger in dem Bewusstsein um eine gemeinsame Heimat verankert. Möge dieses Bewusstsein auch weiterhin in uns bleiben und stets lebendige Ausdrucksformen haben.
Erwin Köber


