Det Kirchengartschen

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In der Winterausgabe 2010/2011 dieser Heimatzeitung (Anm.: "Schönberger Echo) bat Herr Martin Schnabel um Informationen seitens unserer älteren Schönberger Semester bezüglich der symbolischen Bedeutung der Gestaltung des Kirchengartschen. Damit im Zusammenhang verwies er auf einen Beitrag meinerseits über die Grünanlage vor der Kirchenburg in der Sommerausgabe 2005 des Schönberger Echo. Damit wollte ich die Arbeit unserer Vorfahren würdigen und die Bedeutung der Baumanlage im Dorfmittelpunkt auch unseren Nachkommen näher bringen. Er war ein schattiger Spielplatz für Kinder, Treffpunkt der Jugend, Tanzplatz anlässlich verschiedenster sächsischer Feierlichkeiten im Dorf und für viele Schönberger bestimmt auch Identifikationsmerkmal mit der Kirchenburg im Hintergrund. Zu Fragen der Gestaltung der Anlage seitens unserer Vorfahren schweigen die mir bekannten schriftlichen Chroniken Schönbergs. Es wäre interessant, darüber einiges von unseren Landsleuten auf diesem Wege zu erfahren, doch die Baumanlage ist meines Wissens älter als die gegenwärtig noch lebenden höher betagten Landsleute aus Schönberg.

So möchte ich versuchen, gedanklich nachzuvollziehen, was unsere Vorfahren veranlasst haben könnte, dem Kirchengartschen die uns von Kindheit an vertraute Gestalt zu geben.

Die weiter oben erwähnte Bedeutung der Anlage für die Menschen im Dorf und meine Begegnungen mit ähnlichen Anlagen in anderen siebenbürgischen Dörfern lege ich meinen Überlegungen zu Grunde. Dabei spielt die gezielte Kreisanordnung der etwa zehn Kastanienbäume in dem sonst rechteckigen Vorplatz der Kirchenburg eine bedeutende Rolle. Der Kreis als geometrische Figur, hat im Zusammenleben der Menschen eine wichtige symbolische Bedeutung. Was ist jedoch ein Symbol? Das Wort Symbol stammt aus dem griechischen Wort „Symbolon“ und wird mit „Zeichen“ übersetzt. Das große Lingen Universal Lexikon erläutert den Begriff als einen für nicht in Worte gefassten Sinngehalt, eine verkürzte Kennzeichnung komplexer Sachverhalte mit Verzicht auf eine wörtliche Darstellung derselben, ein Kommunikationsmittel innerhalb menschlichen Zusammenlebens. So symbolisiert z.B. der kreisförmige goldene Ehering die endlose Liebe zwischen zwei Menschen und die gegenseitige große Wertschätzung. Doch zurück zu unserem Kirchengartschen. Durch die kreisförmige Anordnung der Bäume und deren Verbindung untereinander mit Bänken könnten unsere Vorfahren der Wertschätzung der Gemeinschaft untereinander und des Zusammenhalts Ausdruck verliehen haben. Kreise haben bekanntlich keine Ecken und demnach konnte eine im Kreis befindliche Gemeinschaft auch niemanden in eine Ecke abdrängen. Anlässlich von Feierlichkeiten mit Tanzmöglichkeiten bildeten Menschen in Siebenbürgen gerne Tanzkreise und in den Pausen zwischen einzelnen Tänzen auch Sing- oder Gesprächskreise. Der Begriff „Kreis“ findet auch Eingang in Gruppenbezeichnungen von Menschen: Arbeitskreis, Mütterkreis, Mutter/ Kind-Kreis, Handarbeitskreis, kommunalpolitische Gebietseinteilungen in Landkreise. Alle diese Bezeichnungen bringen die Zusammengehörigkeit von Menschen mit gemeinsamen Interessen zum Ausdruck. Ähnliche Gedanken könnten auch unsere Vorfahren bewegt haben, dem Kirchengartschen das Aussehen zu verleihen, das unser Bild vom Heimatort geprägt und in unser seelisches Empfinden Eingang gefunden hat. Solches bezeugt letztlich auch der Wille und das Bedürfnis vieler Landsleute dem Kreis der Heimatortsgemeinschaft Schönberg anzugehören und deren gemeinschaftsfördernde Arbeit zu unterstützen.

Erwin Köber