Kriegsende in Hermannstadt

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Am 23.August 1945 war der Krieg zu Ende. Bei der Stadt Jaschi war der Umsturz. In dieser Nacht brachten die Krankenwägen Hunderte von deutschen verwundeten Soldaten ins Lutherkrankenhaus. Dort blieben sie bis Ende September. Dann wurde verordnet, alle wegzuschaffen. Die Soldaten wurden dann mit den Krankenwägen in die Kaserne in die Jungenwaldstraße gebracht. Junge Schwestern und wir mussten fleißig mithelfen. In der Kaserne angekommen, schleppten wir die Kranken auf den Dachboden, sowie in die leeren Ställe der Pferde, wo wir sie ins Heu legten. Nach getaner Arbeit, kehrte ich auf mein Zimmer im Krankenhaus zurück. Als ich die Treppen runterkam, drehte ich mich um, weil ich ein Geräusch vernahm und plötzlich stand ein deutscher Soldat in Uniform vor mir. Sein Name war Georg Klemm. Ich befahl ihm stehenzubleiben, da ich sehen wollte, ob jemand im Flur war.

Unsere damalige deutsche Chefärztin wurde abgesetzt und durch eine rumänische Ärztin abgelöst. Deshalb wäre es ein Problem gewesen, wenn man uns gesehen hätte. Ich teilte mir mein Zimmer mit einem Mädchen namens Katharina Schneider. Fortan schlief ich mit ihr in einem Bett und überließ Herrn Klemm meines. Ich fragte ihn später, wie er in den Krankenwagen gekommen sei. Als unser Krankenwagen eines nachts mit offener Wagentür auf dem Kasernenhof stand, wie er mir erklärte, bestiegen ihn vier deutsche Soldaten. Unbemerkt gelangten sie bis in die Leninstraße beim Volksbad, als drei Soldaten heraussprangen. Just in dem Moment als Herr Klemm den Wagen ebenfalls verlassen wollte, fuhr ein russisches Auto mit hellem Scheinwerferlicht vorbei. Aufgrund dessen musste er in seinem Versteck verbleiben. Herr Klemm bewohnte von Anfang Oktober bis Ende November unser Zimmer. Ich nahm heimlich von meiner Station Essen mit und brachte es dem Soldaten.

Drei Wochen lang dauerte unser Versteckspiel, bis ich es nicht mehr aushielt und dem Hausmeister von unserem Geheimnis erzählte. Die ganze Verwaltung war schon in rumänischen Händen. Wenn sie uns erwischt hätten, wären wir sofort im Gefängnis gelandet. Hausmeister Friedsam verschaffte Herrn Klemm Zivilkleidung, brachte ihn auf den Dachboden, wo niemand außer ihm Zutritt hatte. Ich brachte dem Hausmeister das Essen und er wiederum überreichte es dem Soldaten. Eines Tages kam mein Bruder mit Herrn Michael Salmen (wohnhaft hinter der Kirche, neben dem Pfarrhaus in Schönberg) bei mir ins Lutherkrankenhaus. Ich war froh, dass sie kamen, weil ich wusste, dass Herr Klemm noch auf dem Dachboden verweilte. Ich bat meinen Bruder, Herrn Klemm nach Schönberg mitzunehmen, da sich zu der Zeit in unserem Dorf keine Russen mehr aufhielten. Was dort weiter geschah, dass wisst ihr hoffentlich auch alle.

Mir erzählte Herr Klemm hier in Deutschland, dass er von Schönberg aus in das Dorf Hundertbücheln gelandet sei. Dort hatte er auch viel erlebt, sodass er nach Schäßburg gehen musste. In dieser Stadt hat er bei zwei Brüdern gewohnt. Jeder Bruder wohnte in einem Stockwerk. An jeder Decke des Raumes befand sich eine kleine Tür , sodass man in das nächste Stockwerk gelangen konnte, als die Polizeikontrolle kam. Er ging dann in den 2. Stock zu seinem anderen Bruder wenn die Polizei bei ihm kontrollierte und ging wieder runter, wenn die Polizei im 3. Stock war. Ich fragte ihn, wie er denn nach Deutschland gekommen sei. Er sagte mir, die Brüder hätten ihm einen falschen Pass verschafft und da er kein Geld hatte, gelangte er durch Zigarettenhandel nach Deutschland. Er sagte mir, dass ihm damals so viele deutsche Leute aus Rumänien geholfen hatten, dass er bis heute nicht weiß, wie er ihnen allen danken kann und würde sie nie in seinem Leben jemals wieder vergessen. Er fügte noch hinzu, dass wenn er nach Rumänien in den Urlaub fahren würde, er einen ganzen Wagen voll mit Geschenken mitbringen müsste.

Anna Ekart, geb. Zikeli