Der Blasi
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- Veröffentlicht am Dienstag, 01. Juli 2008 22:04
Hier möchte ich an einen alten Brauch aus unserer Heimat erinnern. Da heute Marientag ist, gehen meine Gedanken zurück in die Zeit meiner Kindheit. Die jüngere Generation hat leider von diesem schönen Brauch nichts mehr mitbekommen.
Am 2. Februar wurde der Marientag gefeiert (im katholischen Glauben hieß es Maria Lichtmess). Marias hatten wir viele im Dorf, aber das Fest war für die Kinder gedacht. Es war schulfrei und alle bereiteten sich bereits Wochen vorher auf den „Blasi“ vor. Auch dieser Name geht auf einen katholischen Heiligen, den Heiligen Blasius zurück.
Die Kinder lernten Lieder und verschiedene Spiele in der Schule und wollten diese beim Fest aufführen. Die Mütter backten Kuchen, die dann mit anderen Süßigkeiten und Süßmost in große Körbe gepackt wurden, um beim Fest die Lebensgeister zu erhalten. Im Kirchensaal saßen dann die Eltern, Verwandten und Nachbarn in mehreren Reihen an den Wänden entlang und der Kreis in der Mitte blieb frei für die kleinen Tänzerinnen und Tänzer. Die Mädchen kamen in ihren besten Kleidern und die Buben fanden sich mit einem Blumensträußchen am Hut oder Mütze freudestrahlend ein. Hier sollten ja alle tanzen lernen! Als dann die Musik zum Tanz aufspielte, war es ganz drollig anzusehen, wie die kleinen Füße sich bemühten, den Takt zu finden und einzuhalten. Die richtigen Schritte zu finden war gar nicht so leicht. Dabei traten sie sich oft auf die Füße und manchmal gab es gar Geschubse. Die Mädchen lernten es schneller, gar mancher Bub hätte sich davor gedrückt. Wurde von Zeit zu Zeit mal eine „Damenwahl“ ausgerufen, war oft kein Junge aufzufinden. Hatte ein Mädchen einen Bruder daheim, wurde es von der Mutter ermahnt, ihm das Tanzen beizubringen. Viele Buben stellten sich tollpatschig an, trampelten mit den Füßen wie kleine Bärchen und brauchten eine lange Zeit bis die richtigen Schritte endlich saßen. Trotzdem machte es allen viel Spaß und man war ganz dabei. Die Musik spielte unverdrossen, die kleinen Tänzerinnen und Tänzer gerieten ins Schwitzen und die Stimmung war prächtig.
Bei soviel Eifer wurde man natürlich hungrig und durstig und musste sich aus Mutter’s Korb eine Kräftigung holen. Gegen den Durst gab es in der Ecke neben der Tür in einem sauberen Holzfass (Schaff) Trinkwasser. Für die Adjuvanten gab es von den Müttern Essen und Süßmost oder Wein, damit sie weiterhin unermüdlich spielten und mit guter Stimmung dem kleinen Völkchen einheizten. Wenn es dann dämmerte und die Kerzen angezündet wurden, waren die Kleinsten schon müde und wurden oft unter Protest heimgebracht. Es entstand eine längere Pause, in der die Älteren nach Hause gingen, die Kinder ins Bett brachten, nach dem Vieh sahen u.a. ehe es mit Schwung weiter ging. Nun kam die Zeit der Jugendlichen und Erwachsenen. Es wurde unermüdlich getanzt und gelacht bis in die frühen Morgenstunden.
Leider wurde dieses schöne Kinderfest durch die Kriegswirren unterbrochen oder gar abgeschafft ?!
Heute geht die Jugend in die Disco, man schüttelt und windet sich allein im dumpfen Rhythmus der Rockmusik und keiner kann mehr einen Walzer tanzen. So ändern sich halt die Zeiten!
Sofia Streck


