Der Vorstand der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Schönberg hat beschlossen, die Stiftung Siebenbürgische Bibliothek in Gundelsheim zu unterstützen. Am 9. Januar 2010 fand auf Schloss Horneck in Gundelsheim der traditionelle Neujahrsempfang des Siebenbürgen-Instituts und des Siebenbürgischen Museums statt. Zu diesem Anlass überreichte der Vorstandsvorsitzende der HOG Schönberg dem Vorstandsvorsitzenden der Stiftung einen Scheck über 1.000 Euro.

Das „Siebenbürgen-Institut an der Universität Heidelberg“ mit Sitz in Gundelsheim am Neckar ist die zentrale Forschungs- und Dokumentationsstelle für die Geschichte und Kultur Siebenbürgens und der Siebenbürger Sachsen. Es führt die einzige umfassende „Siebenbürgische Bibliothek“ außerhalb Rumäniens (mit über 72.000 Titeln) sowie ein umfangreiches Archiv. Es führt eigene Forschungen und Tagungen durch, publiziert mehrere Schriftenreihen und Zeitschriften, pflegt den Wissenschaftleraustausch und fördert gezielt Nachwuchskräfte im internationalen Rahmen. Das Institut mit Bibliothek und Archiv hat für die Siebenbürger Sachsen die Funktion einer Nationalbibliothek, eines Nationalarchivs.
Die „Stiftung Siebenbürgische Bibliothek“ ist eine Bürgerstiftung, welche die Aufgabe hat, mit den Erlösen aus dem eigenen Kapitalstock die langfristige Sicherung des Siebenbürgen-Instituts mit Bibliothek und Archiv zu gewährleisten. Sie will in dem Maße einspringen, in dem sich die öffentliche Hand aus der Förderung zurückzieht. Ihr Ziel ist es, die Institutionen auf Dauer öffentlich zugänglich zu halten, die Bibliothekbestände auszubauen und zu pflegen sowie die professionelle Betreuung zu gewährleisten.

Seit ihrer Gründung bemüht sich die Stiftung um den Aufbau des Stiftungsvermögens, welches zur Zeit - nach ca. 10 Jahren - rund eine Million Euro beträgt. Um die Grundausstattung des Siebenbürgen-Instituts aus eigener Kraft und ohne öffentliche Zuwendungen zu erhalten, benötigt die Stiftung vier Millionen Euro. Dieses Ziel wäre relativ einfach zu erreichen: Jeder der ca. 200.000 Siebenbürger Sachsen müsste nur 20 Euro spenden. Leider ist die Umsetzung dieses überschaubaren und lösbaren Vorhabens nicht so einfach wie diese Rechnung. Der Vorstand der Stiftung informiert regelmäßig in der Siebenbürgischen Zeitung und bemüht sich, die Bedeutung der Kultureinrichtungen auf Schloss Horneck sowie ihre Projekte bekannt zu machen. Am Anfang jedes Jahres veröffentlicht die Stiftung einen Jahresbericht des abgelaufenen Jahres in der Siebenbürgischen Zeitung. Trotzdem ist das bisherige Aufbautempo - 9 Jahre für eine Million - unbefriedigend. Noch drei Mal neun Jahre Durststrecke bedeuten das Aus für die Siebenbürgische Bibliothek. Dazu darf es nicht kommen!
Bis heute haben ca. 3.000 Spender dieses Vorhaben unterstützt. Dies sind Personen und Organisationen, darunter auch Gliederungen der Verbände der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und Österreich und die HOGs. Bei den HOGs wird immer wieder für Spenden geworben. Wilhelm Hietsch (stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Siebenbürgische Bibliothek) präsentierte z.B. im Rahmen der letzten HOG-Verbandstagung in Bad Kissingen einen Kurzfilm über die Kultureinrichtungen in Gundelsheim. Bisher wurden folgende HOGs als Spender erfasst: Agnetheln, Birthälm, Bulkesch, Burzenland, Denndorf, Donnersmarkt, Felldorf, Groß Alisch, Heltau, Hermannstadt Umland, Keisd, Kleinscheuern, Kronstadt, Lechnitz, Mardisch, Nadesch, Neustadt/Kronstadt, Petersdorf/Mühlbach, Probstdorf/Harbach, Scharosch, Schäßburg, Schirkanyen, Seiburg, Seiden, Weißkirch/Schäßburg, Wolkendorf, Zeiden, Zuckmantel, Hermannstadt, Mediasch, HOG-Verband und Schönberg.
Einen guten und öffentlich zugänglichen Einblick über die bisherigen Spender bietet die Stiftertafel. Ab einem Betrag von 1.000 Euro erfolgt ein Eintrag des Spenders in die Stiftertafel. Diese liegt in der Siebenbürgischen Bibliothek aus. Von den oben genannten 31 HOGs sind lediglich 11 HOGs und der HOG-Verband in die Stiftertafel aufgenommen worden, weil sie 1000 Euro oder mehr gespendet haben. Diese HOGs sind: Agnetheln, Burzenland, Felldorf, Keisd, Lechnitz, Schäßburg, Seiburg, Wolkendorf, Hermannstadt, Mediasch und jetzt auch Schönberg. Dies ist relativ wenig, wenn man bedenkt, dass 130 HOGs (von insgesamt 256 ehemals siebenbürgisch-sächsischen Ortschaften) Mitglied im HOG-Verband sind und schätzungsweise 42.000 Personen zählen.

Dabei passt die Unterstützung dieser Stiftung sehr gut zu den Anliegen bzw. dem Vereinszweck einer HOG. Hatto Scheiner beschreibt das Logo der Stiftung Siebenbürgische Bibliothek wie folgt: „Das Logo [...] bezieht sich auf unsere Kirchenburgen in Siebenbürgen, die früher Leib, Leben und materielle Güter vor Feinden geschützt haben. Unser heutiger Feind sind die Vergessenheit und die Angst, dass unser kulturelles Erbe und damit auch unsere Identität verschwinden könnten. Die Bücher sind ein Sinnbild unserer Werte, die unser Selbstverständnis schützen. Das ist jetzt unsere moderne Kirchenburg - die Bücherburg.“ Im Grunde handelt es sich um das gleiche Problem wie bei der Erhaltung der Kirchenburgen in unseren ehemaligen Heimatorten. Wir wollen bewahren, was wir geschaffen haben. Ein kleiner Unterschied besteht darin, dass wahrscheinlich nach einer gewissen Zeit in Siebenbürgen den Besuchern - auch unseren Enkelkindern - niemand mehr erzählt, wer die Kirchenburgen, Dörfer und Städte wirklich gebaut hat. Wir können dies zumindest nicht mehr beeinflussen. Die gesamte Dokumentation unserer Geschichte, auch unseres Lebens in Deutschland, Österreich und anderen Regionen, kann jedoch in der Siebenbürgischen Bibliothek und dem Archiv jederzeit eingesehen werden. Dadurch können auch unsere Nachkommen nach ihrem wahren Ursprung forschen und sich als Siebenbürger Sachsen fühlen. Es wäre schade, wenn von unserer neunhundertjährigen Geschichte nichts mehr übrig bliebe.
Angesichts der hohen Bedeutung dieser Kultureinrichtungen hat der Vorstand der HOG Schönberg beschlossen, mit einer Spende von 1.000 Euro zum Aufbau des Stiftungskapitals beizutragen. Der Eintrag in die Stiftertafel dokumentiert unser Engagement und zeigt, dass sich auch eine verhältnismäßig kleine und nicht besonders finanzstarke HOG pflichtbewusst verhalten kann. Gleichzeitig wissen wir, dass sich durch diese Spende der einzelne Schönberger nicht „entlastet“ fühlen kann. Sie deckt nur einen Bruchteil des Betrages ab, der sich durch die vorher erwähnte Rechnung (20 Euro / Person) ergeben würde. Diese Spende soll für unsere Vereinsmitglieder und für die anderen HOGs vielmehr eine Anregung sein, sich dieser Aktion anzuschließen und so unserer Siebenbürgischen Bibliothek zu helfen!
Spenden an: Stiftung Siebenbürgische Bibliothek, Konto 211029013 bei Volksbank Oberberg eG, BLZ 384 621 35. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Siebenbürgen-Instituts.
Martin Schnabel
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